Historisches zur Pauluskirche

Teil 3: Die Weihe der neuen Kirche zu Marienthal (2)

Eine Artikelreihe von Pfarrer i.R. Jochen Zimmermann

Diese „Kurzinformation” finden wir an der Ostseite der Kirche:
Grundsteinlegung 1899
Einweihung 1902 der Pauluskirche

Nach zweijähriger Bauzeit konnte unsere Kirche eingeweiht werden. Nicht nur in den Zwickauer Zeitungen (wie im vorigen Kirchenboten dargestellt), sondern auch in der „Leipziger Zeitung” vom 16. Oktober 1901 wird die Pauluskirche in Marienthal bei Zwickau erwähnt. Sie wird als ein bedeutendes Werk des Leipziger Baumeisters Julius Zeißig gewürdigt und genau beschrieben. Der Architekt sei bestrebt gewesen, beim Entwurf der Pauluskirche im Vergleich zu den anderen Kirchenbauten der Zeit etwas Anderes, Neues zu schaffen. Die Bauzeit dauerte zwei Jahre. Der Neubau bildet eine Langschiffkirche mit Eckthurm ... Die Gesamtlänge beträgt 41,70 m, die Gesamtbreite 18,80 m, die Schiffhöhe im Lichten 13,90 m, die Thurmhöhe 68,50 m. (...) Schiff, Altarplatz und Thurmhalle sind mit Rabitz-Sternbewölbe überspannt, die Mittelvorhalle mit massivem Ziegelgewölbe. Das Schiff mit Altarplatz hat 700 Sitzplätze, die Emporen 300 Sitzplätze. Die Gesamtkirche faßt 1500 Personen. (...) Die Orgel von Kreutzbach enthält 36 klingende Stimmen und kostete 11.600 M. Die Kraft für die Bälge liefert ein 2 Pferde-Gasmotor von der Firma Werdauer Motorenfabrik. (...) Die Glasfenster lieferte R. Schlein in Zittau. Die Schifffenster sind mit Pflanzenornamenten geschmückt (...) Die Altarfenster enthalten: Das Mittelfenster 'Verklärung Christi', links: 'Luther Thesen anschlagend', rechts: 'Paulus predigt in Athen'. Zwei seitliche Rosetten zeigen 'Melanchthon und Johannes der Täufer'.” Der heute nicht mehr erhaltene Altar wird beschrieben. Und weiter heißt es: „Die Kanzel mit Schalldeckel ist vom Bildhauer Gustav Schneider in Zwickau gefertigt und kostete 2000 M. ...

Wir erfahren, dass es noch kein elektrisches Licht in Marienthal gab. Denn: Die Gasglühlichtbeleuchtung lieferten Krey & Co., Berlin und Gebr. Jacob in Zwickau. Die Gaslaternen außen sind von Adolf Roth in München und Franz in Zwickau bezogen.Der Altarteppich wurde von den Jungfrauen und der Gemeindeschwester hergestellt. Den Taufstein stiftete der Cementwaarenfabrikant Luckner, den Taufdeckel stiftete Familie Trampel. Die Paramente lieferte E. Kreisel in Wilkau. Die Leuchter sind von Buse in Zwickau hergestellt in Kupfer und Messing. Die Kirche ist im Renaissancestil ausgeführt. Außen ist vollständiger Ziegelrohbau mit Terracotten von den Ullersdorfer Werken zu sehen. Der Thurm und alle Strebepfeilerabdeckungen sind in Kupfer von Kupferschmiedemeister B. Meisel hergestellt. Die Schiffdachflächen sind mit braun glasirten Riesaer Biberschwänzen (...) eingedeckt. An der Westfacade ist die Paulusfigur nach Casten von Professor Seeliger in Glasmosaik von Buhl & Wagner in Rixdorf ausgeführt. Die Oberleitung des ganzen Baues lag in den Händen des Architekten Julius Zeißig in Leipzig, als Bauführer war Hr. Otto Unger thätig. Maurer- und Zimmerarbeiten fertigte Baumeister Wolf in Zwickau, ebenso wurden die übrigen Bauarbeiten von Zwickauer Gewerken ausgeführt.

Wer sich die Pauluskirche genau betrachtet, entdeckt, welche Gewerke beim Bau beteiligt waren. Rechts eine Auswahl. Sicher finden Sie heraus, worauf diese Zeichen hinweisen! Beim Bau einer Kirche ist es wie im „richtigen Leben”: Keiner kann alles allein schaffen. Es kann nur dann etwas Gutes entstehen, wenn sich viele mit ihren verschiedenen Gaben beteiligen. In einer Kirchgemeinde ist das auch nicht anders!

Pfarrer i. R. Jochen Zimmermann

wird fortgesetzt

 

 

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